Über die Kunst und das Scheitern

Was ich durch die Kunst über das Scheitern gelernt habe

 

Als Künstlerin ist eines der ersten Dinge, die ich von Anderen höre, wenn ich meine Kunst oder Zeichnen erwähne, "Ich bin wirklich schlecht im Zeichnen". Und hier werde ich dir ein Geheimnis verraten: Im besten Fall ist niemand am Anfang gut in irgendetwas. Natürlich haben einige Menschen ein natürliches Talent in Bereichen, die andere nicht haben, aber zum größten Teil fangen wir alle bei Null an.

Wenn ich ein Saxophon in die Hand nähme und versuchen würde zu spielen, kannst du darauf wetten, dass das, was ich spielen würde, nicht angenehm für die Ohren wäre. Aber das liegt nicht daran, dass ich ein schlechter Musiker oder gar ein schlechter Saxophonspieler bin. Es liegt daran, dass ich nie gelernt habe, Saxophon zu spielen! Wenn man es mir beibringen würde und ich jeden Tag üben würde und die notwendigen Fähigkeiten erlernen würde, dann könnte ich ein erstaunlicher Saxophonist sein 😉 .

Vielleicht liest du das hier und denkst, das gilt nicht für jeden, weil ich Kunst kreeiren und zeichnen kann. Nun, ich bin tatsächlich bei meinem Abschluss in Illustration beim ersten Versuch durchgefallen - mir wurde von einem meiner Professoren gesagt, dass meine Arbeit langweilig sei. Das Bildungssystem ist ein ganz anderes Thema, aber ich finde es schwierig zu verstehen, wie man etwas beurteilen oder benoten kann, das von Natur aus subjektiv ist.

Viele meiner Kommilitonen - erstaunlich talentierte Künstler - weinten und waren aufgebracht, weil sie nicht die beste Note in ihrem Abschluss erhielten. Vielleicht hat ihre Dissertation ihre Note runtergesetzt, oder ihre einzigartige Art, Kunst zu schaffen, entsprach nicht den Vorgaben des Prüfungsausschusses. Es gibt jedoch auch Künstler wie Frida Kahlo, die nie eine Kunstschule besucht haben, aber das bedeutet nicht, dass ihre Arbeit nicht wertvoll ist. Ich denke, es ist wichtig sich selber klar zu machen, dass dein Abschluss, deine Noten, deine Ausbildung und deine Arbeit dich nicht definieren. Denn diese Dinge definieren nicht deine Talente oder wer du bist, trotz des Drucks, den wir vielleicht von der Gesellschaft und den Menschen um uns herum haben.

Aufgrund lähmender Selbstzweifel in Bezug auf meine Kunst habe ich zwei Jahre gebraucht, um wieder mit dem Zeichnen und Gestalten anzufangen. Dank der großartigen Unterstützung des Vivo Life-Teams habe ich langsam wieder mehr Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten bekommen. Vor kurzem habe ich einen Kunst-Workshop für meine Kollegen geleitet und war überwältigt über die positive Resonanz. Ehrlich gesagt, war der erste Gedanke in meinem Kopf: "Meine Arbeitskollegen lügen bestimmt, um nett zu sein, sie meinen nicht wirklich, was sie sagen", aber ich habe mich bewusst bemüht, diesen Gedanken zu ignorieren. Ich bin ein bisschen eingerostet und aus der Übung, und es kann unglaublich frustrierend sein, wenn man eine Idee im Kopf hat, sie aber nicht ganz so aufs Papier bringen kann, wie man sich es vorstellt. Aber es gibt einige Dinge, die ich erkannt habe, die mir geholfen haben, diese kritische Stimme zu überwinden.


1) Der Lernprozess kann zunächst peinlich sein.

Nehmen wir wieder das Saxophon als Beispiel: Ich bin mir sicher, dass niemand damit anfängt, in der Baker Street zu spielen, sondern sich durch das Erlernen von Noten, Tonleitern und Rhythmen hocharbeitet, um dann zu grundlegenden Liedern überzugehen und mit dem Wissen, das man im Laufe der Zeit erworben hat, immer komplexer zu werden. Das Gleiche gilt für die Kunst: Man beginnt mit den Grundlagen und je mehr man übt, desto besser werden die Fähigkeiten. Vielleicht bist du am Anfang noch nicht so stolz auf dein Werk, vielleicht schämst du dich es jemandem zu zeigen und du möchtest es am liebsten zerreißen und ganz wegwerfen. Aber das ist nur ein Teil des Prozesses - es ist vollkommen in Ordnung, am Anfang einfach schlecht zu sein!


2) Es kann sich einschüchternd anfühlen, wenn man beobachtet wird.

Wie wir gerade festgestellt haben, ist es beim Erlernen von etwas Neuem wahrscheinlich, dass man Fehler macht oder am Anfang nicht sehr gut ist. Aber wenn jemand unseren Prozess beobachtet, können wir Druck verspüren, weit über unser natürliches Niveau hinaus zu leisten. Oft reicht schon die Angst, beurteilt zu werden, um sich nicht anstrengen zu wollen. Das unausgesprochene Gefühl, das uns von der Gesellschaft auferlegt wird, rund um die Uhr produktiv zu sein, kann auch bedeuten, dass es Druck gibt, Hobbys in eine praktische Fertigkeit oder sogar in eine zusätzliche Einnahmequelle zu verwandeln. Aber es ist wichtig, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Du musst deine Kunst niemandem zeigen, wenn du das nicht möchtest. Du kannst einfach für dich und zwar nur für dich selbst schaffen, und das ist ein durchaus wertvoller Nutzen deiner Zeit.


3) Sich zu vergleichen ist eines der schlimmsten Dinge, die man sich selbst oder jemand anderes tun kann, wenn man eine neue Fähigkeit erlernen möchte.

Vielleicht hast du zur gleichen Zeit wie jemand anderes mit einer neuen Sache begonnen; die andere Person hat es wirklich aufgegriffen und du nicht. Es ist unglaublich schwierig, nicht einen Vergleich zu ziehen und sich zu fragen, warum jemand anders es kann und du nicht - aber der Grund ist, dass Menschen auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlichem Tempo lernen. Wie ich bereits erwähnt habe, lernen manche Menschen bestimmte Dinge sehr schnell, während andere vielleicht Jahre brauchen, um eine Fähigkeit zu verfeinern und zu entwickeln. Anstatt andere zu beurteilen oder uns selbst zu verurteilen, sollten wir versuchen, uns selbst den Raum zu geben, zu üben, uns zu entwickeln und ohne Vergleiche zu lernen.


4) Probiere einen anderen Ansatz aus, wenn du Schwierigkeiten hast!

Kunst ist so viel mehr, als nur gut zu zeichnen. Ich persönlich bin nicht sehr gut im Drucken. Ich habe wirklich Mühe, mir vorzustellen, wie man Kunst verkehrt herum/von innen nach außen/von oben nach außen erstellt, damit das Bild beim Drucken mit Tinte richtig angezeigt wird. Ich bin sicher, wenn ich mehr üben würde, würde ich mich verbessern. Ich habe jedoch andere Arten der Gestaltung gefunden, in denen ich von Natur aus geschickter bin; ich liebe zum Beispiel die Fotografie! Vielleicht bist du kein geborener Zeichenexperte - aber hast du es auch schon mit Bildhauerei, Malerei, Stickerei, Collage oder Pyrographie versucht? Vielleicht entdeckst du ein neues Talent, oder das Erforschen eines anderen Bereichs hilft dir, deine gewählte Disziplin besser zu verstehen!


5) Wenn wir Fehler machen lernen wir.

Schauen wir uns Kinder und sogar Tiere an - es gehört dazu, Fehler zu machen, um zu lernen, wie die Welt funktioniert. Aus irgendeinem Grund halten wir uns als Erwachsene an höhere Standards und meinen, dass wir über Fehlern stehen sollten. Aber indem wir Fehler machen, lernen wir, was nicht funktioniert, und wir können eine neue Herangehensweise ausprobieren, oder sogar gelegentlich zufällig einen besseren Weg finden! Das Akzeptieren von Fehlern kann anfangs schwierig sein, aber unsere Unvollkommenheiten machen uns menschlich.

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